1.    Die Klinik in Lunsar und unsere Laborarbeit Was für ein Glück dass Doris dabei war !  Als wir ankamen wurde uns berichtet, dass im OP mit einem Heissluftsteri gearbeitet würde, weil – wie üblich - der digitale High-Tech-Autoklav den Dienst verweigerte. Die Sache kam uns spanisch vor und wir liessen uns zeigen, wie (seit Ende März 2016 !!!) für den OP sterilisiert wird. Zum Glück haben wir immer spezielle Thermofühler dabei, denn es stellte sich heraus, dass die OP Instrumente maximal eine “Sporenwohlfühltemperatur” von knapp 80° C erreichten. Die Ärzte – von unseren Tests aufgeschreckt – führten natürlich unter diesen Bedingungen keine OPs durch. Ein eilends aus einer benachbarten Klinik ausgeliehener Autoklav stellte sich ebenfalls als defekt heraus, konnte aber von uns repariert werden, so dass ab Dienstagabend zumindest kleinere Chargen richtig sterilisiert werden konnten. Sicherheitshalber haben wir die ersten Sterilisationsvorgänge überwacht. Am Mittwoch besorgte der Klinikleiter dann einen funkel-niegel-nagel-neuen großen elektro-mechanischen (nicht digitalen!) Steri und folgte damit dem Rat, den wir der Klinik schon seit Jahren nahelegten. Man ahnt es schon: Auch dieser (neue) Steri war defekt, konnte von uns aber ebenfalls repariert werden. So also vergingen die ersten drei Tage, in denen Nils kaum zur Laborarbeit kam. Unsere arme Doris musste das alles alleine stemmen und das war allerhand, denn: Wir hatten im Vorfeld via Radio und Zeitung unser Kommen angekündigt und um eine ausreichende Patientenanzahl zu bekommen haben wir dabei mitteilen lassen, dass wir nicht nur die Tests kostenlos durchführen, sondern auch alle nötigen Medikamente bezahlen. Dies hatte zur Folge, dass wir in den zwei Wochen über 30 Patienten versorgten, was für die Verhältnisse in Lunsar eine sehr hohe Anzahl ist. Darüber hinaus haben wir ja die zwei neuen Nährmedien (MacConkey– und Blutagar) eingeführt und unsere schwarzen Kollegen mussten die komplizierten Herstellungsverfahren und die Anwendungen neu erlernen. Gott sei Dank gibt es bei uns im Labor den jungen Labortechniker Abdul. Er ist ein sehr heller Kopf und hat in den zwei Wochen sehr, sehr viel gelernt. Doris und Nils sind der Meinung, dass zumindest Abdul mit den neuen Nährmedien jetzt schon recht gut arbeiten kann. Alle anderen Labormitarbeiter sind zwar noch etwas unsicher, aber Abdul lehrt auch gerne, so dass wir davon ausgehen, dass in den nächsten Monaten auch die anderen Labortechniker fitter werden. Am Ende des Einsatzes haben wir uns alle zusammengesetzt und festgelegt, dass pro Woche maximal 2 bis 3 Patienten ausgetestet werden, um die schwarzen Kollegen nicht zu überlasten. Wir glauben sogar, dass diese Zahl gar nicht erreicht wird, weil aufgrund der Umstände in Sierra Leone (-> Punkt 2. weiter unten) die Patienten schon kein Geld mehr zum Essen (!) haben, geschweige denn für Medikamente. Wir müssen uns überlegen, ob wir nicht einen separaten Fond einrichten (mit bereits vorhandenem und/oder extra gesammeltem Geld) von dem Antibiotika gekauft werden können, zumindest für die Patienten die sich von 'uns' testen lassen (über das ganze Jahr hinweg, auch wenn wir nicht persönlich anwesend sind). Dies würde vor allem vor dem Hintergrund Sinn machen, dass aufgrund der neuen Nährmedien jetzt auch Blasenentzündungen (statt nur Wunden) getestet und behandelt werden können. Eine weitere Neuerung: Speziell für schwer heilende Wunden haben wir uns ein bestimmtes Wundmanagement ausgedacht und dies mit einem verantwortlichen Verbandspfleger besprochen. Dieser führt in den nächsten Monaten die entsprechenden Versuche durch (Wundheilungsverhalten) und dann sehen wir mal, ob dieses neue Wundmanagement Früchte trägt. …und "so ganz nebenbei" haben wir der Klinik eine Online-Bibliothek eingerichtet (-> “Aktuelles”). Ihr erinnert Euch: unser treuer Sponsor, die Firma SALESFORCE, hat uns 10 top Notebooks zur Verfügung gestellt. GLOBOLAB hat sich (schon im Vorfeld des Einsatzes) um die andere benötigte Hardware gekümmert und so konnte Mitte der ersten Woche unsere Online Bibliothek ans Netz gehen. Ärzte, Labortechniker, Pfleger und Pflegeschüler können ab sofort immer den neuesten Stand der Technik im Internet abrufen. Die Klinikleitung ist begeistert ! Zum Schluss ein paar Zahlen: a) Online Bibliothek mit 7 Rechnern an einer einigermaßen schnellen Internetverbindung, b) drei Tage Prüfungs-, Wartungs- und Reparaturarbeiten im OP-Steri, c) mehrere Tage theoretische Schulungen im Labor, d) zwei neue Nährmedien eingeführt und trainiert, e) das Austesten von Blasenentzündungen geschult, f) 30 Patienten versorgt - von den zuerst behandelten Patienten haben wir auch schon erstes Feedback bekommen: Alle vier Patienten die ich fragen konnte, zeigten deutliche Besserung der Symptome. 2.    Zustände in Sierra Leone Das Land ist in einem Zustand wie wir es seit 2009 nie erlebt haben. Selbst die schlechteren von uns erlebten Jahre 2009 und 2010 sind nichts im Vergleich zu heute. Waren die Menschen früher mangelernährt aber wenigstens satt, so hungern heute weite Teile der Bevölkerung. Auf der Straße wird man von (älteren) Frauen angesprochen die keine Lebensmittel mehr für sich und ihre Familie haben und die meisten Bekannten, auf der Straße aber auch teilweise in der Klinik, haben deutlich abgenommen. Auch durch die Ebola-Krise liegt das Land wirtschaftlich darnieder. Felder werden teilweise nicht bestellt weil das Saatgut aufgegessen wurde und/oder weil die Gewinnaussichten zu langfristig sind. So gut wie alle Lebensmittel – auch der eigentlich selbstproduzierte Reis – werden teuer importiert, so dass sich die Lebensmittelpreise verdoppelt haben! Auf der anderen Seite fehlen viele Jobs weil viele Firmen (auch aufgrund der Ebola-Krise) ihre Tore geschlossen und bis heute nicht mehr geöffnet haben. Kurzum: Es gibt deutlich weniger Geld, aber dafür haben sich die Preise verdoppelt. Das Volk ist unzufrieden, es rumort an manchen Stellen und manche unserer schwarzen Freunde schließen einen Bürgerkrieg nicht mehr aus; erschwerend kommt hinzu, dass Anfang 2018, also in einem guten Jahr, ein neuer Präsident gewählt wird. In den ausländischen Nachrichten, insbesondere in Großbritannien, Frankreich, ja sogar Amerika ist Sierra Leone immer noch ein Thema, in Deutschland hingegen sieht und hört man nichts mehr. Das Land scheint von Deutschen Medien vergessen worden zu sein. Ja, Ebola hat viele Todesopfer gefordert, aber die Anzahl der Toten die indirekt mit Ebola zusammenhängen ist viel, viel höher. Resümee: Trotz aller Umstände in Sierra Leone: Alles in allem muss von einem sehr gut gelaufenen Einsatz gesprochen werden, a) wegen der vielen guten Neuerungen in "unserem" Labor und auch b) weil das Zusammensein mit dem ebenfalls anwesenden ODW-Team so schön und außergewöhnlich harmonisch war. Vielen Dank hierfür an Marianne, Brigitte, Rattha, Susanne, Edith, Fritjof, Thomas und Edgar. © Globolab e.V. 2009 - 2016 Teilgenommen haben: Doris – Leitende MTLA in der Klinik Ebersberg; Ausbilderin Edith – OP-Schwester; Kontaktperson OP Nils - Bioingenieur; Ausbilder zusammen mit einem Team des ODWs